Bedeutung des Radverkehrs
Es ist in aller Munde: Wir brauchen eine Verkehrswende. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland knapp 77% aller Fahrten im motorisierten Individualverkehr zurückgelegt, während nur etwa jede fünfte Strecke in umweltgerechneten Verkehrsmitteln (Fahrrad- und Fußverkehr sowie öffentliche Verkehrsmittel) zurückgelegt wurde1. Dabei ist seit langem bekannt, dass der immense Autoverkehr Mensch, Klima und Umwelt einen großen Schaden zufügt:

Derzeit gibt es in Deutschland so viele Autos wie noch nie zuvor: Im Jahr 2020 gab es allein hierzulande 59 Mio. zugelassene Kraftfahrzeuge2. Damit könnten mehr als 200 Mio. Menschen (und somit ca. das 2,5-fache der Bevölkerung Deutschlands) gleichzeitig einen Platz im Auto einnehmen. Da das durchschnittliche Auto in Deutschland jedoch nur für 45 Minuten am Tag bewegt wird, bedeutet dies vor allem, dass neben der Straßeninfrastruktur eine Vielzahl an Parkplätzen vorgehalten werden muss3. Dies führt insbesondere in Städten zu einer Verschwendung von Flächen, welche z.B. mit Begegnungsflächen, Grün- oder Wohnanlagen weitaus sinnvoller genutzt werden könnten.
Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 164 Mio. Tonnen Treibhausgase durch den Verkehr ausgestoßen. Damit betrug der Anteil des Verkehrssektors an den gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands über 20%4. Auffällig ist, dass der Verkehrssektor der einzige Sektor ist, welcher seine Emissionen in den letzten Jahrzehnten nicht verringern konnte. Es ist davon auszugehen, dass die deutschen Klimaschutzziele für 2030, welche eine Treibhausgasreduktion von 40-42% für den Verkehrssektor vorsehen, in diesem Bereich nicht erreicht werden können5. Daher wird der Verkehrssektor – und damit insbesondere auch das Auto – weiterhin einen großen Anteil am Klimawandel haben. Dieser führt u.a. zur Bildung von Wüsten, zum Schmelzen von Eis sowie zur Zunahme von Wetterextremen6.
Autofahren ist nicht nur für einen persönlich ungesund, sondern schädigt die Gesundheit aller. Beispiele dafür sind die krankmachende Lärmbelästigung, die Emission von gesundheitsschädlichen Stickoxiden oder das Freisetzen von Feinstaub (vor allem durch Bremsen- und Reifenabrieb)7.
Im Jahr 2020 war der Verkehrssektor für mehr als 25% des Feinstaubs (Partikelgröße PM2,5 sowie PM10) in Deutschland verantwortlich8. Feinstaub führt zu Entwicklungsschädigungen der Lunge sowie zur Ausprägung von Atemwegserkrankungen, wie Asthma oder Lungen-, Rachen- und Nasentumoren. Schätzungen zufolge entstehen durch die Behandlung dieser Abgasfolgen alleine in Europa jährlich ca. 330-940 Mrd. Euro an Gesundheitskosten9. Durch Luftverschmutzung sterben auf der Welt jährlich ca. 3,6 Mio. Menschen10.
Im Vergleich zum Auto benötigt das Fahrrad deutlich weniger Fläche: Auf einem üblichen Autoparkplatz können problemlos acht Fahrräder abgestellt werden. Somit ist bei Intensivierung des Radverkehrs eine Freigabe von versiegelten Flächen (z.B. Parkplätze und Parkhäuser) möglich, was wiederum zu einer unmittelbaren Steigerung der Lebensqualität führt12. Dazu kommt, dass viele der mit dem Auto gefahrenen Strecken schneller mit dem Rad zurückgelegt werden können. So haben 40-50% der Autofahrten eine Länge von weniger als fünf Kilometern. In diesem Entfernungsbereich gilt das Fahrrad als das schnellste Verkehrsmittel13. Ein weiteres Argument für das Radfahren sind die geringen Kosten. So liegen die Nutzungskosten eines Fahrrads (inkl. Anschaffung, Reparaturen und spezifischer Ausrüstung) pro gefahrenen Kilometer bei ca. 10 Cent. Im Vergleich dazu: Ein Mittelklassewagen verursacht pro Kilometer je nach Modell zwischen 40 Cent und 1,40 Euro, wenn auch hier die Anschaffungskosten, der Wertverlust sowie die nötigen Reparaturen, Betriebsmittel und Versicherungen berücksichtigt werden14.
Gemeinsam mit dem Fußverkehr ist der Radverkehr das klimaschonendste Verkehrsmittel, da keine schädigenden Treibhausgase emittiert werden. Im Vergleich zur Fahrt mit dem Auto lassen sich auf dem Fahrrad pro zurückgelegtem Kilometer rund 140 Gramm an Treibhausgasen einsparen15. Beim vollständigen Umstieg vom Auto auf das Fahrrad würde der:die durchschnittliche:r Bundesbürger:in so jährlich den Ausstoß von etwa 715 Kilogramm (Bewohner:in von Metropolen) bzw. 1330 Kilogramm an Treibhausgasen (Bewohner:in von Kleinstädten oder Dörfern) vermeiden16. Damit trägt eine staatliche Förderung und Priorisierung des Radverkehrs direkt zum Klimaschutz sowie zur Steigerung der Luftqualität bei.
Radfahren beugt dem Bewegungsmangel vor und führt so dazu, dass einige Zivilisationskrankheiten (wie z.B. Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes) deutlich seltener auftreten17. Bei regelmäßigem Radfahren steigt die Lebenserwartung dadurch um bis zu 14 Monate18. Darüber hinaus trägt das Radfahren zu einer besseren seelischen Gesundheit bei und führt zu einer Reduktion von Krankheitstagen19.
Daher ist das Radfahren sowohl für die eigene Gesundheit als auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll.
Quellen:
- https://www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/fahrleistungen-verkehrsaufwand-modal-split#fahrleistung-im-personen-und-guterverkehr
- www.kba.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Fahrzeugbestand/2021/pm08_fz_bestand_pm_komplett.html
- http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2017_Ergebnisbericht.pdf
- https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/klimaschutz-im-verkehr
- https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/projektionsbericht_2021_bf.pdf
- https://www.welthungerhilfe.de/informieren/themen/klimawandel/
- https://www.sueddeutsche.de/auto/feinstaub-verkehr-bremsen-reifen-1.4427241
- https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/3_tab_emi-ausgew-luftschadst_2022.pdf
- https://www.aak.de/fileadmin/pdf/Feinstaub-Schweisfurth.pdf
- https://www.oecd.org/env/indicators-modelling-outlooks/49889636.pdf
- https://www.oecd.org/environment/non-exhaust-particulate-emissions-from-road-transport-4a4dc6ca-en.htm
- https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr
- Gleich 12
- Gleich 12
- Gleich 12
- http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2017_Ergebnisbericht.pdf
- https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr
- https://www.fietsberaad.nl/CROWFietsberaad/media/Kennis/Bestanden/do_the_health_benefits_of_cycling_outweigh_the_risks.pdf
- https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr
Danke an Henri Baumann von welchem ich diesen Artikel übernehmen durfte. Wir wünschen dir weiterhin eine großartige Fahrradreise.
Seine Website: https://radvantage.de/index.php
